30. Schwangerschaftswoche

Seit Tagen fälltdie Temperatur auch Nachts nicht unter 22 C° und tagsüber sind es im Schnitt seit etwa ein bis zwei Wochen oder so 30 C°, die letzten drei Tage waren es zwischen 34 und 36 C°, ich schlafe nackt und ohne Decke (!!!), obwohl ich sonst in jedem Sommer wenigstens ein Bein überdecken musste (nach wie vor, es könnte mir jemand nachts ans nackte Bein fassen. Ich mag das nicht).

Es ist zu heiß!

Morgens ist es ok, aber ab 9 Uhr wird die Luft dick, ich weiß nicht, wie ich sitzen soll, weil ich in jeder Position schlecht Luft bekomme. Gestern habe ich ein Interview mit einem Wetterexperten vom Hessischen Rundfunk gelesen, der diesen Sommer mit dem Jahrhundertsommer 2003 in Verbindung bringt. Das finde ich absolut logisch, ich kann mich nämlich nicht erinnern, nach diesem Wahnsinnssommer jemals wieder so hart verbrannte Wiesen gesehen zu haben. Und ich kann mich sehr gut an diesen Sommer erinnern, immerhin ist das der Sommer vor meiner Entjungferung gewesen. Sowas merk ich mir. So, wie meine Vagina damals ein neues Empfinden erfuhr, wird sie jetzt, 15 Jahre später, wieder etwas ganz Neues empfinden. Dann ist Entbindungstermin.

Jetzt fühle ich mich aber nicht so leicht, wie mit 15. Jetzt ist alles nur ungemütlich und anstrengend und ich habe noch 10 Wochen vor mir.

Ich fühle mich zu schlapp für alles. Meine Liste ist lang und innerlich bekomme ich Angst, dass ich jetzt Dinge zu lange vor mir herschiebe und dann hab ich den Salat: Baby da, aber kein Antrag ist ausgefüllt, alle neu und gebraucht gekaufte Kleidung ist ungewaschen und stinkt und löst Allergien aus, auf der Wickelkommode stapeln sich unausgefüllte Anträge, auf dem viel zu früh gekauften Kinderwagen (war ein Schnäppchen) liegt eine Staubschicht und die Katze hat in die Wiege gepisst. Weil ich nur wie ein schlapper Lappen im jeweils dunkelsten Zimmer hing.

Aber das passiert ja nicht, ich hab ja auch bei absoluter Tatenlosigkeit den Überblick darüber, was getan werden sollte und das kann ich ja auch delegieren. Ich bin nicht alleine. Also, ich muss nicht alleine Wäsche waschen (aber ich muss sagen: Das ist Wolle/Seide, bitte nicht in die Waschmaschine, sondern mit der Hand, ok).

Und die Katze muss ich nicht alleine von den babyrelevanten Möbelstücken verjagen. Die Katze ist nämlich komisch: Je dicker der Bauch wird, desto ambivalenter ihr Verhalten. Sie schnurrt im einen Moment und lässt sich streicheln, im nächsten Moment hackt sie mir (ohne Krallen, nur leichter Biss – aber kräftig genug, dass es mich erschreckt) in die Hand. Sie sitzt neben mir und starrt auf meinen Bauch. Sie kommt, und legt sich dicht neben mich und leckt mir milchtretend die Ellenbeuge – plötzlich dreht sie sich zum Bauch, guckt, geht wieder. Wenn sie mit mir spielt, nutzt sie keine Krallen, überhaupt nicht (sonst ist sie übel und brutal und wir kommen beide damit klar, ein fairer Kampf, immer so gewesen). Aber dann pisst sie auf die Bettwäsche für die Übernachtungsgäste und ansonsten geht sie mir ein bisschen aus dem Weg. Meine Mutter und meine Schwiegermutter sind besorgt: Was, wenn die Katze das Kind tötet?

Das sehe ich ja dann, wenn es da ist. Dann ist vielleicht auch erst mal egal, dass der Flur keinen idealen Schuhschrank hat, dass wir kein selbstgebasteltes Mobile haben, dass wir vergessen haben, eine Babybadewanne zu kaufen, dass ich den Ofen nicht gründlich gereinigt habe, dass die Blätter der Monstrera staubig sind, dass ich keine schönen Stuhlkissen gekauft habe, dass unser Bad ein hässliches Scheißzimmer ist (fair enough) und dass der Wäschetrockner erst in vier bis acht Wochen geliefert wird.

Wenn ich nämlich genau hinsehe, haben wir das Nötigste: ein paar Kleidungsstücke, ein Tragetuch, eine Kiste voller Stoffwindeln von meiner Mutter, ein Bett und uns beide, die wir uns freuen. Ob mit oder ohne Wandbild über der Kommode.

Posted by:kaputzenkatze

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