Hebammen sind nicht nur beim ersten Schrei dabei, sondern können das auch sein, wenn die Schwangerschaft stumm endet. Wenn ich das bei meiner Fehlgeburt vor 10 Jahren gewusst hätte, wäre mein langer Weg der Trauer vielleicht etwas anders verlaufen.

Egal, wie früh oder spät das ungeborene Leben endet: Jede Frau hat bei einer Fehl- oder Totgeburt Anspruch auf Hebammenhilfe. Die Krankenkasse zahlt das.

In der Hebammen-Vergütungsvereinbarung steht es deutlich:

  1. Eine Wochenbett-Betreuung ist „auch nach einer Fehlgeburt bzw. einer medizinisch induzierten Geburt oder Fehlgeburt abrechnungsfähig. Die Leistungen stehen der Mutter auch dann zu, wenn sich das Kind in Pflegschaft oder Adoptionspflege befindet bzw. eine Totgeburt erfolgte.“ Das heißt: die ersten zehn Tagen nach der Geburt können bis zu zehn Besuche und zwischen dem elften Tag bis zum Ablauf von acht Wochen nach der Geburt weitere sechzehn Termine mit der Krankenkasse direkt abgerechnet werden.
  2. Auch alle geburtshilfliche Tätigkeiten während einer Fehlgeburt sind abrechnungsfähig.

Was macht die Hebamme bei einer Fehlgeburt?

Während die Ärztin oder der Arzt sich vor allem sachlich den medizinischen Notwendigkeiten im Falle einer Fehlgeburt widmet, konzentriert sich die Hebamme nicht nur auf den Prozessen davor, währenddessen und danach – auch der seelischen Verfassung der trauernden Mutter (oder auch des trauenden Elternpaares) gibt sie genügend Raum. Es gibt Hebammen, die eine spezielle Weiterbildung zur Trauerbegleiterin haben.

Die Hebamme unterstützt bei der Entscheidung, ob eine sofortige Ausschabung medizinisch erforderlich ist, oder ob Körper und Seele der Frau noch Zeit gegeben werden kann, sich vom Kind zu verabschieden. Eventuell gibt es naturheilkundliche oder homöopathische Unterstützung oder Akupunktur, die der Frau helfen können. Die Entscheidung liegt ganz bei der Frau und die Hebamme unterstützt sie im gesamten Prozess, klärt über Möglichkeiten auf und steht ihr zur Seite.

Je nach Zeitpunkt der Fehlgeburt begleitet die Hebamme auch im Wochenbett die Rückbildung nach dem Abgang. Und im besten Fall kann sie eine auch bei einer erneuten Schwangerschaft unterstützen – die persönliche Geschichte und Sorgen der Frau kennt sie ja dann bereits.

Bei wem liegt die Verantwortung?

Auch wenn so manche Krankenkasse den Hebammen das Leben schwer macht – es ist so, darf abgerechnet werden und jede Frau sollte das wissen. Aber woher, wenn sich alle bedeckt halten? Von meiner Frauenärztin hatte ich damals nicht viel mehr als einen betroffenen Blick bekommen, als ich sprachlos vor ihr saß, zitternd. Nach 5 Minuten war der Drops im Behandlungsraum gelutscht und ich konnte mir den Termin zur Ausschabung abholen. Der sollte drei Wochen später stattfinden, in der Hoffnung, dass das Baby in der Zeit von alleine kommt. Die drei Wochen bis zu dem Termin waren die Hölle.

Ich war ahnungslos im Tal der Toten. Und zwar länger, als das offizielle Wochenbett dauert.

In solchen Momenten tiefer Erschütterung, in der eine Frau tatsächlich ein bisschen mehr braucht als eine Broschüre, da versagt das System. Hier wäre es doch seitens der Gynäkolog*innen angebracht zu sagen: „Wir haben leider nicht die Zeit und Kapazität Sie in dieser schweren Zeit zu begleiten. Aber eine Hebamme kann das.“

Misskommunikation oder Ignoranz

Manch eine Frauenarztpraxis hat auch ein oder zwei Hebammen im Team, ich kann mir vorstellen, dass in einem solchen Fall darauf hingewiesen wird. Ich habe selbst mittlerweile eine Frauenärztin, die darauf hinweisen würde. Denn die ziert sich auch nicht, die Vorsorge mit einer Hebamme zu teilen und sie rät auch nicht pauschal von außerklinischen Geburten ab. Da habe ich großes Glück. Bezogen auf die Zusammenarbeit mit Hebammen war der allgemeine Tenor von allen (!) anderen Ärzt*innen, denen ich in den Jahren seit Beginn meiner Geschlechtsreife begegnet bin, ein anderer.

Ums mal polemisch auszudrücken: Ich habe oft den Eindruck gehabt, dass sich die Fürsorge und das Mitgefühl vieler Gynäkolog*innen vielleicht am Ehesten in der Anzahl durchgeführter Ultraschalltermine ausdrückt, oder in Minuten, die eine schwangere Frau ab dem dritten Trimester sinnlos am Wehenschreiber abhängt. Das ist ein Armutszeugnis für den Berufsstand der Gynäkolog*innen. Und es ist ungerecht gegenüber der wertvollen Arbeit der Hebammen, die Zusammenarbeit zu verweigern.

Wer informiert zum Thema „Hebammenversorgung bei Fehlgeburt“?

Es gibt eine Reihe Vereine, die sich dem Thema verschrieben haben und wo betroffene Frauen Hilfe bekommen. Hier sind einige davon:

Fotocredits: Dương Nhân from Pexels

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