SOCIAL DISTANCING MIT KLEINKIND IST ANSTRENGEND: Während wir in der Öffentlichkeit mehr Platz zwischen uns und den Anderen lassen, rücken wir in der Familie enger zusammen. Mit einem 18 Monate alten Kind ist Home Office nur bedingt möglich und bevor wir einen Lagerkoller bekommen übe ich mich im positiven Umwerten der Situation.

Die Tagespflege ist geschlossen, ich habe mich von meiner Weiterbildung freistellen lassen und damit leben wir jetzt „Kita-frei“ im simplen Sinne von leider keine Kita (denn Diejenigen, die Kindergartenfrei praktizieren leiden unter der sozialen Distanzierung ganz genau so). Ohne Verabredungen und Stunden auf dem Spielplatz und ohne eigenen Garten wird so ein Tag lang. Und länger. Und noch länger. Es macht in jedem Fall Sinn, sich ein paar Schmankerl aus dem Ärmel zu schütteln.

Spielideen für 1 1/2-Jährige in Quarantäne

Der Sohn ist ein Socializer. Mir tut es ernsthaft im Herzen weh, dass er jetzt nicht mehr zum Tagespapa gehen kann. Fies, wie verantwortungsbewusste Eltern sind, haben wir ihn zwei Tage früher als offiziell nötig Zuhause gelassen. Jetzt langweilt er sich und ist zwischendrin echt sauer, weil die freiwillige Quarantäne mit meinen Abstillambitionen kollidiert. Ich hab recherchiert und werde jetzt im work and progress dokumentieren, wie meine Ideen so ankommen. Spielidee vs. Realitäts-Check.

here we go:

Das Spieltablett

Die Idee habe ich auf dem Blog von Susanne Mierau gefunden und finde sie äußerst ansprechend. Ziel (oder eher der Weg) ist es, freies Spiel zu fördern, indem einfaches Material in einer Kiste bereit steht. Im besten Fall fühlt sich das Kind durch den Schnickschnack so angeregt, dass es in einen Flow kommt: für einige Zeit konzentriert und ins Spiel vertieft. Das Material kann sich jede*r individuell überlegen: Womit beschäftigt sich mein Kind zurzeit besonders gern? Ist es am Sortieren oder Stapeln interessiert, am Umfüllen von Sand oder Steinen oder mag es gerade Rollenspiele? Was es auch ist, die Kiste hält etwas davon bereit. Der Sohn räumt momentan z.B. gern auf, füllt Dinge in Behältnisse und stapelt Kisten und Becher übereinander. Meine erste Kiste enthielt zwei Eierkisten gefüllt mit Holzperlen und Sandspielzeug-Eishörnchen und einen Stapelturm im Halbkreis angeordnet. Eine Schnur, einen Kerzenständer und zwei Seidentücher.

vorher…

… nachher

Großzügig würde ich sagen, dass fünf Minuten im Flow schon drin waren. Allerdings holte er sich gleich seine Puppen dazu, setzte sich rein und fing an, sie mit Perlen zu füttern. Da Schöne an der Idee sind die zahlreichen Möglichkeiten, das Tablett zu bestücken. Was das Kind daraus macht ist ja Wurst, was sich Erwachsene so ausdenken ist aus Kindersicht oft sicherlich nicht ganz so witzig. Ich versuche trotzdem weiter, dem Humor meines Kindes entgegen zu kommen. Eine Abwechslung ist das Tablett allemal.

Viel besser funktioniert hat ein paar Tage später die low key- Version mit weißen Bohnen. Erst nach einer halben Stunden wühlen, löffeln und sortieren nahm er sich das Tablett und kippte es im Wohnzimmer aus. Nichts für schwache Nerven. Ich empfehle, ausgeschlafen zu sein, wenn das Kind mit kleinteiligen Lebensmitteln in der Wohnung spielen darf.

Spielen mit Pfeifenreinigern

Pfeifenreiniger sind bunt, weich, biegsam und kosten nicht die Welt. Ich habe eine mittelgroße Packung im Internet bestellt und meinem Sohn nur ein Drittel davon ins Tablett gelegt, zusammen mit ein paar Perlen. Ein Küchensieb stand einfach in der Nähe. 1 A Übung für die Feinmotorik, dachte ich.

Vorher …

… später …

… nachher

Am Anfang hat er die Pfeifenreiniger vor allem aus dem Tablett geworfen und großzügig auf dem Fußboden verteilt und ihnen danach keine Beachtung mehr geschenkt. Schade, dachte ich noch, aber zu seinem Glück zwingen kann ich ihn auch nicht. Ich hab das alles aber nicht gleich weggeräumt, sondern im Zimmer liegen lassen. Einen Tag später entdeckte er sie für sich und fing an in aller Seelenruhe und hochkonzentriert die bunten Puschelchen in das Sieb zu stecken. Dann verteilte er sie grundsätzlich überall, umwickelte Spielzeugautos, Puppen und hielt sie der Katze hin. Er piekst die Perlen damit auf und legt sie sich auf den Kopf. Und das Sieb wird immer wieder neu bespielt. Wirklich bemerkenswert, das Einizige, was auf gar keinen Fall geht: Wenn ich ihm einen Vorschlag mache, wie er damit spielen kann. Also lass ich einfach das ganze Zeug im Wohnzimmer liegen. Besuch bekommen wir sowieso nicht, es juckt mich nicht die Bohne. Beste Vorraussetzungen für kreatives Chaos.

Fingermalfarben

Vielleicht nicht die innovativste Idee von allen …

… aber wann, wenn nicht jetzt haben wir die Zeit für Schmierereien?

Nicht zu unterschätzen dabei übrigens auch das Potential für folgende Aktivitäten mit Kleinkind: Er darf mein Gesicht anmalen, ich darf seine Hände waschen, er darf mein Gesicht waschen, er darf sich den Waschlappen über seinem Kopf ausdrücken, bis die Suppe ins Gesicht läuft, ich darf ihn trösten, er darf die Puppe füttern – wie? Das ergibt keinen Sinn? Egal! Der Vormittag ist geschafft! Der nächste Punkt auf unserer Quarantäne-To-Do wäre außerdem jetzt „Fensterputzen“.

Knete. Einfach Knete hinstellen.

2 Stunden! Zwei!

Wieder habe ich das Rad nicht neu erfunden, aber es geht auch darum, herauszufinden, was in seinem Alter schon gut klappt – und was eher nicht. Kleinkinder und Knete? Davon wurde mir abgeraten. Zu jung sei er, das wolle er nur essen.

Ja, er hat einmal in den blauen Kneteklumpen gebissen. Es hat ihm nicht geschmeckt und ich habe ihm die Knetreste vom Schneidezähnchen gepopelt. Er hat aber kein zweites Mal probiert und damit war das Thema erledigt. Ich kann übrigens gut verstehen, warum er das probieren wollte: So knallbunte Farben! Wie die wohl schmecken? Giftig ist die Masse nicht, daher bin ich entspannt. Und er war auch entspannt: Zwei Stunden intensive Beschäftigung sind eine Seltenheit bei uns. Reinpiksen, Zusammenmatschen, Auseinanderreißen, alles in die Becher stopfen, noch mehr in den Becher stopfen, einen großen Klumpen durch die Wohnung zu Papa tragen und ganz aufgeregt rufen: „Ball! Baut! Meins!“ Danach hatte ich Flashbacks aus meiner eigenen Kindheit (erbsenmöhrengemüsefarbene Knetklumpatsche, die an Wollsocken kleben, puh). Auch schön der Geruch.

Das Thema Knete ist nicht abgeschlossen

Wunderbar finde ich die Tatsache, dass das Thema nicht langweilig werden muss. Wir können noch Knete selbst herstellen, wir können „magischen Sand“ ausprobieren, vielleicht auch selbst herstellen und wir können zusammen Pizza backen. Das haptische Moment des Knetens ist zentral. Was für eine Erkenntnis! Was mich zum nächsten Punkt führt …

Beim Kochen „helfen“

Kneten ist auch beim Pizzateig der Hit

Am Abend sinkt die Laune manchmal rapide und dann hat sich eine Sache bewährt: Er darf mit in die Küche, stellt sich auf seinen Hochstuhl und darf helfen. Er sortiert die Minitomaten zum Beispiel sehr gerne, probiert hier und da und besonders toll ist, ja, natürlich, Kneten! Ich backe Pizza, Brot und Kuchen gerne und gerne mittlerweile mit ihm. Beim Belegen des Teiges hilft er auch und wenn er danach glücklich in den Ofen glotzt und „Pizza“ flüstert, weitet sich mein Herz zu einem saftigen Steak. Die schlechte Laune ist vergessen und bis zum Essen überbrücken wir die Wartezeit damit, mit den Puppen und Kuscheltieren zu spielen.

Posted by:kaputzenkatze

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