Dieser Post hat ehrlicherweise weniger mit Serviceleistung zu tun als mit Selbstmotivation. Ich schweife nämlich in endlosen Recherchen über die perfekte Kalkfarbe für unseren Kleiderschrank ab (wirklich salbei oder doch kaki? Keine Ahnung). Aber: Ostern kommt und es beginnt morgen. Die Frage ist: Wie Ostern feiern, wenn plötzlich alles anders ist? Ich habe es zu lange vor mir hergeschoben, mir diese Frage zu beantworten. Jetzt müssen schnelle Lösungen her.

Mein ursprüngliches Problem war ja eher generell, wie wir Ostern feiern – mit Kind. Denn an den richtigen Ablauf und das ganze Brimborium kann ich mich aus meiner Kindheit kaum erinnern. Letztes Jahr hatte ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Der Sohn war noch so klein, alles was ihn interessierte war, wie er sein Körperchen am unkompliziertesten in eine aufrecht sitzende Haltung hievt. Dieses Jahr versteht er schon sehr viel und er spielt mit seinen Puppen, lacht sich scheckig, versteckt sich vor uns und freut sich über jeden Bagger, und sei es noch so wenig ein Bagger, Hauptsache Bagger.

Der Hase hoppelt dieses Jahr recht einsam übers Feld

Ostern ist anders, wenn die Familie nicht inklusive Tante, Onkel, Oma, Opa und Urgroßeltern über das Lamm herfällt und in inniger Kontemplation dem Leib Christi gedenkt. Oder einfach nur, weil viele nur in kleiner Runde Eier verstecken, suchen, auf einen Löffel legen und um Hütchen rennen. Wir sind auch traurig, dass Ostern dieses Jahr ohne meine Eltern und Geschwister stattfindet. Bestimmt sind viele Menschen traurig, dass sie jetzt nicht ihren geplanten Wanderurlaub auf Madeira antreten. 

Aber jetzt hat meine Stunde geschlagen, denn wenn ich eines kann, dann Pläne schmieden (das beruhigt mich einfach immer so schön)! Hier kommt mein super Plan, wie wir ein schönes Osterfest haben, auch ohne physische Nähe zur buckligen Verwandtschaft. Ohne Stress. Unkompliziert aber festlich, das ist mein Anspruch. Jawohl, ich will es uns festlich haben. Wir beginnen Karfreitag, nehmen Anlauf am Samstag, zelebrieren den Sonntag und entspannen uns am Montag. 

Das ist der Plan für entspannte Ostern mit Kind und ohne Anhang:

Jenseits von Plastikeiern in Ligusterhecken und pastellfarbenen Ostereiern in Weidenkätzchen-Sträuchen gibt es Osterbräuche, denen ich nie große Beachtung geschenkt habe. Dabei gibt es schöne Bräuche, die ich jetzt einfließen lasse. 

Gründonnerstag

Das ist heute. Heute koche ich eine Stichsuppe und gehe einkaufen. Die Stichsuppe hat keinen direkten Osterbezug (außer vielleicht, dass der „Stich“ aus Eiern besteht). Aber es war eines meiner Lieblingsessen (und meines Vaters, als der ein kleiner Junge war), das meine Oma oft gekocht hat. Sie ist dieses Jahr gestorben und es ist das erste Osterfest ohne sie. Ich denke heute Abend an sie. 

Die Stichsuppe ist eine Rindfleischsuppe mit Eierstich. Ich habe das Rindfleisch zusammen mit angerösteter Zwiebel und Suppengemüse in Wasser langsam zum Kochen gebracht und dann vergessen Schaum abzuschöpfen (dadurch soll die Suppe weniger trüb sein). Ich lasse die Suppe nun auf kleinster Stufe den gesamten Tag auf dem Herd, die Oberfläche bewegt sich nur wenig. Heute Abend mache ich den Eierstich, entferne die Knochen und zerkleinere Gemüse und Fleisch. Außerdem werfe ich noch eine Handvoll Buchstabennudeln mit rein, so wie meine Oma das immer gemacht hat.

Karfreitag

  • Es gibt Fisch, soviel ist sicher. Ich habe zwei Forellen besorgt und werde die einfach mit Gemüse im Ofen grillen. Dazu gibt es Petersilienkartoffeln.
  • Heute backe ich einen Osterkranz und dekoriere die Wohnung österlich.

Hier meine Quicktipps für entspannte Osterdeko:

Dafür räume ich erstens auf, verteile zweitens Tulpen und habe drittens ein paar pastellfarbene Dekoeier (ehrlich war), die ich einen Strauch mit Ästen hänge (ich meine das ernst). 

Karsamstag

Heute ist der Tag für ein Osterfeuer. Eigentlich ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual, bei dem der Winter vertrieben und die Asche über Felder verstreut wurde. Heute assoziiere ich das vor allem mit der Freiwilligen Feuerwehr und Pfeffi, aber ich bin jetzt dazu bereit, meine Teenagerjahre auf dem Dorf hinter mir zu lassen und das Schöne darin zu sehen. Ein Feuer, am Abend, draußen, gemeinsam mit allen Freund*innen und der Familie und, nee, moment. Geht nicht. 

Was wäre eine Corona-Konforme Alternative zum Osterfeuer? Eine Kaminfeuer-DVD lasse ich nicht gelten. 

Die Lösung:

Wir vertreiben den Winter auf dem Balkon mit einem ganz kleinen Feuer in unserem Kugelgrill. Dazu gibt es Stockbrot. Die Stöcker dafür haben wir am Vormittag auf unserem Spaziergang gesammelt.

Ostersonntag

Ostereier färben ist der Brauch, an den ich mich am besten erinnern kann. Ich finde es etwas seltsam, dass die Christen sich diesen vermutlich heidnischen Brauch so angeeignet haben, dass das Eierfärben ein Symbol für die Auferstehung Christi darstellen sollen (früher wurden aus dem Grund die Eier übrigens ausschließlich blutrot gefärbt). Ich meine: Erst unbefleckte Empfängnis und dann wie aus dem Ei gepellt? Naja. What would Jesus actually do about this weird appropriation? Eier habe ich jedenfalls mit Zwiebelschalen und Rote Beete gefärbt. Die Eier, die durch die Rote Beete rot werden sollten sind eher blassgrün geworden. Das hätte dem Heiland nicht gefallen. Aber ich habe schöne Muster hinbekommen.

Morgens:

  • Am Ostersonntag sind die Frauen früher, also vor der Christianisierung, an einen Bach gegangen um dort zu baden oder um Wasser zu holen. Dieses Osterwasser sollte der Fruchtbarkeit und Schönheit dienlich sein. Ich finde das eine schöne Idee und habe auch eine schöne Stelle im Kopf, wo wir das mit der Eiersuche verbinden können. 
  • Damit die Suche sich nicht in die Länge zieht, habe ich nur zwei kleine Körbchen vorbereitet, auf die der Sohn schnell stoßen wird. Es wird also nur ein Zwischenstopp auf unserem Osterspaziergang sein.
  • Danach machen wir unser Osterfrühstück. Dafür habe ich Brötchen selbst gebacken. 

Nachmittags dann: 

  • Osterkranz-Essen und Kaffeetrinken mit meiner Familie (virtuell). 
  • Es gibt abends ein feierliches Ostermahl. Kein Lamm. Aber: Pizza. Mindestens das leckerste Essen der Welt. Wer enttäuscht ist über dieses total unösterliche Feiertagsessen: Ich werde mini Pizzen in Eierform backen! Ha! Und ich werde den Tisch dekorieren!

(Beweisfotos folgen)

Ostermontag

Ich habe bei meiner Speedrecherche über Ostern auf Wikipedia gelesen, dass es in Polen offenbar üblich ist, sich am Ostermontag mit Wasser zu bespritzen. Wenn das Wetter also mitspielt, gehen wir am Ostermontag in den Hof und lassen den Jungen mit Wasser plantschen. Dabei werden wir garantiert alle nass.

Zu essen gibt es heute Osterkranz und zum Abendbrot gibt es heute selbstgebackenes Brot und dazu Eiersalat. Weil ab Dienstag kann ich erst mal keine Eier mehr sehen.

Posted by:kaputzenkatze

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