Warum mache ich mir immer alles so kompliziert? Ich habe monatelang gedacht, ich brauche mehr und mehr und immer mehr Vorbereitung. Anstatt wirklich über mein Baby und mich nachzudenken, habe ich mir eine immer länger werdende To-Do-Liste geschrieben – aber kaum etwas davon abgehakt. Damit ist jetzt Schluss, ich habe aufgeräumt: Was war mein Problem, was tue ich jetzt sicher nicht mehr (und warum) und was brauche ich tatsächlich an ganz praktischen Dingen für die Hausgeburt?

Ein Teil von mir denkt: Du hast doch bereits ein Kind bekommen – im Grunde weißt du, was passiert und passieren kann. Der andere Teil aber denkt sich: Nein. Diesmal gibt es signifikante Unterschiede. Dazu zählt zum einen eine Geburt während des Lockdowns und zum anderen die Geburt in eine kleine Familie hinein.

Vielleicht weil es sich noch immer abstrakt anfühlt: Ich mache mir mehr Gedanken um Kind 1 als um Kind 2

Gemein, oder? Aber der ist eben schon da und ganz lebhaft, lustig und präsent. Es ist eigentlich nicht unbedingt er, um den ich mir Gedanken mache, sondern ich und meine Rolle als Zweifachmutter. Das trieb mich in den letzten Wochen mehr um, als die richtige Atmung und Beckenbodentraining. Ich habe einen hübschen Stapel an Literatur, die ich für diese Art von mentaler Geburtsvorbereitung nutzen wollte und auch immer noch will. Truth is: Ich komme nicht dazu, das alles zu lesen. Auch ohne Lockdown mit Kita-Schließung wäre es etwas viel gewesen, da bin ich mal so ehrlich. Das hier ist mein Stapel an Lese-To-Dos:

Bild Nummer drei ist mit Sascha Lobo und Kathrin Passig die Konsequenz, die ich immer lesend heranziehe, wenn ich merke, dass ich schon wieder zu viel auf einmal will. Das bringt nämlich nichts:

Ich hatte die Themen untergliedert in

  1. Meine neue Rolle als Zweifachmutter und wie unsere Familienorganisation ablaufen kann.
  2. Die Geburt selbst.
  3. Erziehung: Wie kann Familienleben mit Geschwistern möglichst harmonisch werden?

Ganz schön viel und etwas kompliziert

Ich finde ja, an dieser geradezu strategischen Herangehensweise an das Thema „Geburt des zweiten Kindes“ erkennt man recht deutlich den Knoten in meinem Kopf und wie fürchterlich unentspannt ich bin. Bei meinem Sohn hatte ich vier Bücher im Laufe der gesamten Schwangerschaft zur Hand:

  1. den Klassiker „Die Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann und
  2. „Guter Hoffnung“ von Kareen Dannhauer für die Schwangerschaft und Geburtsvorbereitungszeit,
  3. „Die Autogene Geburt“ von Tatje Bartig-Prang für die Geburt selbst und zuletzt
  4. „Kinder verstehen“ von Herbert Renz-Polster für die Zeit mit Kind.

Das hatte ausgereicht! Ich fühlte mich gut vorbereitet, auch ohne viel Schnickschnack. Jetzt sind wir dadurch vielleicht so gut vorbereitet, dass es sich seltsam anfühlt, so wenig machen und lesen zu müssen. Und vor lauter Angst, zu wenig zu tun, blähe ich meine Lese- und Vorbereitungsliste künstlich auf.

Die beste Vorbereitung in dieser Zeit ist vielleicht einfach nichts zu tun

Sobald es einem vergönnt ist, versteht sich. Ich kenne ja meine Schwachstellen mittlerweile und eine davon ist sicher, dass ich von allem ein bisschen mehr will, als ich kann. Aber ich möchte mich stattdessen einfach nur auf unser neues Baby freuen!

Ich bin so krampfhaft dabei, mich mit Literatur auf das Baby vorzubereiten aus Angst, mich nicht genug vorzubereiten, dass ich etwas ganz Wesentliches völlig vernachlässige. Das ist während dieser sehr stressigen Zeit aber viel wichtiger als es sonst auch wäre: In mich hineinhorchen, mir die Zeit nehmen und ein bisschen mit dem Baby zu plaudern. Etwas Schönes für mich und für das Baby tun, uns entspannen und einfach nur dem Wunder nachspüren, das da gedeiht. Ist es nicht absolut der Wahnsinn, dass ich jetzt in der 34. Woche bin?

Nach all dem Drama und der Angst in den ersten Monaten? Ich hatte solche Sorge, dass ich dieses kleine Wunder verliere und jetzt ist doch tatsächlich die Lungenreife abgeschlossen, ich habe offiziell keine Schwangerschaftsdiabetes, meine Gerinnungsstörung ist harmlos und tut nichts mehr zur Sache. Das ist so wunderbar. Die schönste Geburtsvorbereitung ist ab jetzt also: Mich freuen, mich um mich gut kümmern, kurz: mir meine eigene beste Freundin sein.

Statt einer langen Leseliste habe ich jetzt vor allem Dinge vor, die mir guttun

Dinge also, die mir Spaß machen und die mich in positiver Weise mit dem Baby in Verbindung treten lassen.

  1. Aromaöle, die mich in eine gute Stimmung versetzen.
    Ich habe zwei, drei Öle, die mir dabei helfen: Grapefruit, Lemongrass und der Entbindungsduft von der Bahnhofsapotheke. Die Düfte funktionieren wie Anker. Mache ich sie an, denke ich gleich auf ganz liebevolle und beruhigte Weise an das Baby, den Bauch, meinen Körper und das auch, wenn ich nur eine Präsentation zusammenschustere oder einen Flyer texte.
  2. Bei einer angeleiteten Meditation knallhart einschlafen.
    Ich liebs einfach. Dafür brauch ich nichts lesen. Ich mache mir keinen Entspannungsstress mehr (atme ich wirklich richtig? Ist das jetzt mein Beckenboden, wo ich hin atme, oder meine Blase? Muss ich mal aufs Klo? Warum schweife ich wieder ab? Ich setze meine Gedanken auf ein Boot und ah Eichhörnchen, bloß nicht einschlafen, nicht einschlafen, zzzzzz). Ich nehme es, wie es kommt.
  3. Badekugeln.
    Ich bade übrigens wärmer als 35 C° – irgendwo im Internet habe ich gelesen, dass Schwangere nur so kalt baden sollten. Blasenentzündung here we come, oder was? Wer macht das?
  4. Lesen (ich zucke mit den Achseln, könnt ihr es fühlen).
    Ich habe das „Geschwisterbuch“ von Nikola Schmidt ausgelesen und habe ein bisschen weniger Angst davor, dass sich meine Kinder hassen könnten. Von der Liste auf dem Foto weiter oben lese ich sonst aktuell nur in den Büchern, die sich konkret der Geburt widmen.
  5. Stricken.
    Ich stricke immer noch an meiner Babydecke. Dauert länger, als ich mir das ausgerechnet hatte, macht aber immer noch Spaß.
  6. Etwas für das Baby basteln.
    Demnächst hole ich die Filzwolle hervor, aber ich werde mich nicht dafür verurteilen, sollte ich das nicht schaffen. Großes Versprechen an mich selbst.
  7. Ein Nest bauen.
    Und zwar ein schönes.

Eine letzte organisatorische Sache zur Geburtsvorbereitung: Was brauche ich für die Hausgeburt?

Dank meiner Hebamme habe ich eine schöne Liste, auf der alles steht, was wir zur Vorbereitung benötigen. Das ist im Grunde eine sehr einfache Liste und die ist schnell abgehakt. Hier ist also die

Einkaufsliste für die Hausgeburt

  1. Am einleuchtendsten ist sicher eine wasserdichte Unterlage für die Matratze und ich bin froh über den Hinweis, wie viele Bettlaken dann Sinn machen. Ich habe also neue Laken gekauft. Wir benötigen für die Nacht nämlich drei Laken (eines zum Wechseln) und als Folie für dazwischen genügt Malerfolie. Ich habe aber auch eine Molton-Unterlage, die ich als Matratzenschutz ohnehin als unterste Schicht verwende.
  2. Weitere Wäsche: 3 Handtücher, fünf Waschlappen für mich. Und fürs Baby: 4 weiche Handtücher, die im Ofen bei ca. 50 C° aufgewärmt werden dürfen.
  3. Einmal-Handschuhe (mit dem Hinweis meiner Hebamme: nur, wenn ihr ohnehin welche habt). Haben wir tatsächlich da.
  4. Küchenrollen, große Mülltüten, Biomülltüten (kleinere, für die Plazenta)
  5. Schüssel für die Plazenta
  6. Für den Dammschutz: Stövchen oder Thermoskanne und Schüssel, um Wasser warm zu halten
  7. Pezziball oder Hocker für Positionswechsel. Check und Check.
  8. Yoga-Matte o.ä., die nicht wegrutscht.
  9. Zusätzliche Heizquelle. Allerdings werden bei uns die Heizungen nachts auch warm und am Wickeltisch wird eine Heizlampe sein. Wir haben Raumthermometer, mit denen wir die Temperatur (und die Luftfeuchtigkeit) immer im Blick haben (müssen.)
  10. Kühlelemente: z.B. Erbsen oder nass eingefrorene Handtücher. Wir haben Platz für Erbsen.
  11. Wärme: Kirschkernkissen. Hab ich da.
  12. Essen/Trinken mitsamt Strohhalm, Kraftbrühe, Obst, Naschereien, kleine Cola oder ähnliches für ein bisschen Energie.
  13. Wöchnerinnenvorlagen und Netzschlüpfer
  14. Steh- oder Klemmlampe oder gute Taschenlampe. Ich habe eine Stirnlampe. Ich erinnere mich an meine Hebamme bei der Sohngeburt, wie sie da saß, wie eine Höhlenforscherin.
  15. „Infusionshalter“ in Bettnähe (z.B. ein Haken, Garderobenständer, Nagel in der Wand, o.ä.)
  16. Zum Baden: 1 kg Totes-Meer-Salz, Badethermometer, Fieberthermometer.
  17. Geburtspool oder Regentonne. Ich habe mir als Kind immer vorgestellt, im Wasser zu gebären. Jetzt bin ich aber sehr davon genervt, dass die Baumärkte bis Ende Januar noch geschlossen bleiben und ich scheue mich davor, mir zu viel organisatorische Last aufzubürden. Plus: Regentonne? Ich weiß nicht. Ich bekomme in kleinen (nicht nur dunkeln) Fahrstühlen schnell Panik. Ob mich die Enge in der Tonne tatsächlich beruhigt, kann ich derzeit schlecht abschätzen. Ich möchte lieber mehr Platz. Letzten Endes entscheide ich mich für die bequemste Variante. Entspannen kann ich auch in unserer Badewanne und der Sohn wäre wahrscheinlich einfach auf unserem Bett gekommen, wenn ich nicht ins Geburtshaus hätte fahren müssen. Irgendwie kommt das Baby raus, ich will mich nur eines nicht: stressen. Wenn ich es nicht ins Wasser schaffe, so be it. Also: Ich lasse mich überraschen.

Das sind die praktischen Dinge für die Hausgeburt. Und das hier sind die Dinge, die ich bereitstelle für damit ich es schön habe:

  1. Duftlampe
    Wer hätte das gedacht.
  2. Kerzen und die Salzlampe
    Für die Gebär-Gemütlichkeit. Gilt das auch als zusätzliche Wärmequelle?
  3. Ein Korb am Wickeltisch mit der ersten Kleidung fürs Baby
    Wobei, ich bin ja für eine Windel und sonst nichts, meinen Sohn hatten wir die ersten Stunden auch direkt wieder ausgezogen, als wir ein paar Stunden nach der Geburt zu Hause waren. Nackt auf die Brust, erst bei Marcus, damit ich schlafen konnte, dann bei mir.
  4. Einen Wochenbettkorb
    Mit Lanolin, Silberhütchen, Wochenbettbauchmassageöl, Sitzbad, Lavendelöl.
  5. Hühnersuppe
    Ich werde am Anfang der Rufbereitschaft eine schöne Hühnersuppe kochen, die ich dann einfriere. Das kann dann ein guter Snack sein, sofern ich was runterkriege und im Wochenbett ja dann eh.
  6. Kliniktasche
    Falls es schnell gehen und ich verlegt werden muss.

Ja, der Aufwand ist größer, als nur eine Kliniktasche zu packen. Aber das meiste davon haben wir ja da. Es geht vor allem darum, die Dinge griffbereit zu haben und das nicht gerade an Tag X alle Handtücher in der Schmutzwäsche sind. Ich nehme das übrigens zum Anlass, neue Handtücher zu kaufen. Ganz weiche natürlich. Fürs Baby. Es lebe das Internet, an dieser Stelle einmal: Drei mal hoch!


Jetzt habe ich also geordnet, wie ich mich auf die Geburt vorbereite. Eine Frage steht trotzdem noch im Raum: Wie bereiten wir unseren Sohn auf die Geburt vor? Er darf nämlich – wenn er will – dabeibleiben. Wir haben uns dazu ausführlich Gedanken gemacht: Wie bereiten wir unseren Sohn auf die Geburt vor? Das erfahrt ihr im dritten Teil meiner kleinen Reihe zur Geburtsvorbereitung.

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