Heute vor einem Jahr habe ich hier den ersten Beitrag veröffentlicht. Ich habe ihn aber weniger Wochen danach wieder offline genommen. Denn einer der Aufhänger, der den Anlass zum Schreiben gab, war zu schmerzhaft: die Schwangerschaft endete früh und war damit meine dritte Fehlgeburt. Kurz nachdem ich darüber geschrieben hatte, wie eine Hebamme auch in diesem Falle helfen kann. Selbsterfüllte Prophezeiung? Ich bin abergläubisch genug, um daran zu verzweifeln. Fakt ist (und nur Fakten zählen): Alle Pläne, die ich hatte, haben sich dadurch verschoben. Und nicht zu vergessen: zu genau der Zeit begann der erste Lockdown. Ein schwieriges Jahr begann und seither begleitet mich dieses Fleckchen Internet. Ein Resümee und ein Ausblick:

Das erste Quartal des Jahres 2020 war für mich geprägt vom Tod meiner Oma, einer überraschenden Schwangerschaft, der Entscheidung, mich beruflich „frei“ zu machen, dem Lockdown und dem Ende der Schwangerschaft. Dass ich, was das Bloggen angeht, am Ball geblieben bin, hat wahrscheinlich vor allem mit der Aufgabe zu tun, die ich mir dadurch gestellt hatte und der Rückmeldung meiner zwar kleinen, aber durchaus sehr, sehr feinen Gefolgschaft, deren Feedback hier eigentlich den Laden am Laufen hält. 

In der Zwischenzeit ist viel passiert

Ich wurde überraschend schnell wieder schwanger und hatte natürlich eine wahnsinnsangst und wenig Vertrauen in meinen Körper, das Kind diesmal zu halten. Ich ließ mich im Blutgerinnungszentrum ordentlich durchchecken und dort stellte die Ärztin eine (wahrscheinlich) schwangerschaftsbedingte Gerinnungsstörung fest. Aber das Baby durfte bleiben! Nur – Die Erleichterung über das bewältigte erste Trimester hielt nicht lang: In der 14. Woche wachte ich nachts auf und mir lief das Blut die Beine herunter. Verdacht auf 1. Plazenta Praevia Totalis und 2. vorzeitige Plazentalösung wegen eines Mörder-Hämatoms. Fast zwei Wochen im Krankenhaus und einen verpassten Sommer später durfte ich mich zwei Monate lang nicht körperlich betätigen. Das hieß: keine strenge Bettruhe, aber Sport- und Sexverbot, keine langen Wege, und auf keinen Fall das Kleinkind tragen. Mein Kreuz straft mich heute dafür, dass ich mich so streng daran gehalten habe – mein zweites Kind weigert sich indes beharrlich seine Höhle zu verlassen. 

Als wäre dieses ständig über mir schwebende Damoklesschwert nicht ausreichend, plagte mich permanent die Angst, mich falsch zu ernähren: Es sah anfangs danach aus, als würde sich bei mir Schwangerschaftsdiabetes entwickeln. Ich landete aufgrund eines auffälligen Nüchternwertes in der 18. ssw bereits beim Endokrinologen und verbrachte bis zur 37. Woche damit, erst jeden Tag, später nur noch sporadisch, meinen Blutzucker zu messen. Das war alles war unheimlich frustrierend und es fiel mir sehr schwer, mich zu entspannen und mich auf das Baby wirklich einzulassen. Ich fühlte mich überwacht, von zu vielen Ärzt*innen und von mir selbst. Aber: Mit Schwangerschaftsdiabetes ist absolut nicht zu spaßen und vor allem kommt dann keine Hausgeburt mehr in Frage. Ich war bei meinem Sohn so glücklich mit unserer Geburtshausgeburt – ich kann mir eine Klinikgeburt nur schwer schön vorstellen. Erst recht nicht in Anbetracht der gegenwärtigen Situation, die über den allgemeinen Hebammenmangel hinaus noch mal ein bisschen scheißiger als ohnehin schon ist. 

Im Laufe des Herbstes lösten sich diese Befürchtungen nach und nach auf

Die Plazenta hatte nur einen vorerst tiefen Sitz und wanderte munter an die Hinterwand, das Hämatom verschwand und bis heute sind selbst meine Nüchternwerte immer niedrig. Die Blutgerinnungsstörung ist nur im Falle einer OP und dann im Wochenbett von Belang und ansonsten als harmlos eingestuft. Wahrscheinlich ist sie wieder weg, wenn die Schwangerschaft denn dann mal irgendwann vorbei sein sollte (im April wird kontrolliert). Einer Hausgeburt steht nichts mehr im Wege!

Okay, soviel Privates – aber was ist aus den beruflichen Plänen, die ich anfangs noch beschreiben wollte? Nach dem Schock im März, dem Lockdown im Frühling und bis der Junge endlich wieder zurück zu seinem Tagesvater gehen konnte, hielt ich doch an meinem Plan fest. Ich absolvierte monatelange Weiterbildungen und streckte nebenher meine Fühler aus, begann also Aufträge anzunehmen. Den Umständen entsprechend ging ich es aber langsamer an, als ich es unschwanger und wahrscheinlich auch langsamer als generell kinderlos angegangen wäre. Am Ende des Jahres stand aber wenigstens eine Webvisitenkarte, inklusive nicem Logo. An dieser Stelle gilt mein fetter Dank FORMLOS Berlin, die mir nicht nur mein kleines Quäntchen professionelle Sichtbarkeit verschafft haben, sondern mich auch in Sachen Branding unterstützt haben. Wir werden auch weiterhin in gegenseitigem strategischen Einvernehmen zusammenarbeiten. Dem neuen Jahr steht also nichts im Wege! 

Oder ups, halt, da war ja was: Ich bin ja immer noch schwanger

Das Warten wird aber sehr bald ein Ende haben und dann haben Marcus und ich zwei Kinder. Wie geht es dann weiter? Als ich den Artikel vor einem Jahr geschrieben hatte, hatte ich soweit gar nicht gedacht. Selbstständig arbeiten mit Stillkind und Kleinkind und vor allem: einer sehr schwer einzuschätzenden Pandemie. Ohne gute Betreuung ist da nicht viel mit Ladida, ich arbeite mindestens 80%, null Problem. Ich hoffe auf den Impfstoff und eine Entspannung im Jahresverlauf. Und ich hoffe, dass es diesmal besser klappt, dass Marcus mal das Fläschchen geben kann. Wir wissen nicht, wer da zu uns kommt. Dieses kleine Persönchen lernen wir demnächst kennen. Schläft das Baby auch nur auf und niemals neben uns, wie sein Bruder? Wird es gesund sein? Wir können es nicht planen, nach meinen zwei popeligen Jahren als Mutter habe ich das zumindest gelernt: ist halb so wild, wenn wir nichts planen können. Irgendwie geht alles immer irgendwie und meistens haben wir den Vorteil mit dem Kind, dass es oft sehr viel lustiger ist als ohne. Ich finde nämlich schon: Am Ende des Tages geben sie einem sooo viel zurück 😉 

Wie geht es weiter?

Ich habe also erst einmal für ein ganzes Jahr Elterngeld geplant und zwar ziemlich klassisch (Marcus nimmt die ersten beiden Monate). Der Grund: Wir haben keine Ahnung, wie es läuft mit dem Kind und allen anderen Umständen. Vom „normalen“ Elterngeld auf ElterngeldPlus oder sogar den Partnerbonus umzusteigen ist einfacher, als andersherum sich umzuentscheiden wenn wir merken, dass wir uns übernommen haben und es nicht klappt. Der Aufwand bei der Antragstellung gerade am Anfang ist ein bisschen einfacher. So halten wir uns die Optionen noch relativ offen und nageln uns nicht fest. 

Ich kenne mich ein bisschen und weiß, wie schnell ich gelangweilt bin

Einige Zeit werde ich wohl in Muttihausen abtauchen und ich freue mich drauf. Ich hab mir gerade erst noch ein neues (ok, gebrauchtes) Tragetuch gekauft. Sicher bin ich da nicht so exzessiv drauf, wie ich andere im Internet beobachten konnte aber Alter, hätte ich die Kohle, ich hätte so viele Tragetücher, sie würden alle meine Outfits matchen. Oder ich würde anfangen, mir Gedanken über Outfits zu machen, die meine Tücher matchen. Grüße gehen raus an meine Schwester, die dürfte mir dann dabei helfen, Outfits zu matchen:

(Cheers to simpler times)

Ist diese Zeit aber vorbei, werde ich wieder Schreiben wollen. Hier, für mich und für andere. Und dann habe ich das Elternzeitjahr, um den Vollzeiteinstieg zu planen. Zur Feier des Tages, des einjährigen Bestehens dieser kleinen kaputzenkatzen-Webwelt und im Sinne eines Auftakts für den nächsten Lebensabschnitt habe ich diesen einen, meinen ersten Artikel wieder online gestellt: Den, mit den fünf Gründen, warum zur Hölle ich mich dazu entschlossen habe, eine sogenannte „Mompreneur“ sein zu wollen. 

Viel Spaß und auf ein weiteres Jahr!

2 replies on “Happy Birthday to me: 1 Jahr kaputzenkatze

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